Geschichte - Helmarshausen

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Helmarshausen

Geschichte der Stadt Helmarshausen

Auszug aus der Schenkungsurkunde des Königs Otto I.

"Im Namen der heiligen und ungeteilten Dreifaltigkeit.
Otto, König durch die Gunst göttlicher Gnade.
Der Aufmerksamkeit aller unserer Gläubigen, sowohl der Gegenwärtigen als auch der zukünftigen, sei zur Kenntnis gebracht, auf welche Weise wir einer gewissen  vornehmen Frau mit Namen Helmburg gewisse Güter unseres Besitzes als Eigentum geschenkt haben (…). Und dazu gehört auch ein Hof in dem Dorf das Helmerateshusa genannt wird (…)
Zeichen des Herrn Otto, des völlig unbesiegten Königs.
Gegeben am 1. Mai im Jahr der Geburt des Herrn 944 (…)
Glücklich im Herrn. Amen".
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In dieser vorstehend auszugsweise zitierten Urkunde, mit der König Otto I. (912 – 973) der vornehmen Frau Helmburg Grundbesitz, Gewässer, Mühlen und Rechte schenkt, wird Helmarshausen, in der damals üblichen Schreibweise des Ortsnamens, erstmals im Jahre 944 urkundlich erwähnt. Aus der Formulierung „in dem Dorf das Helmerateshusa genannt wird“ kann aber geschlossen werden, dass Helmarshausen schon Jahre zuvor bestanden hat. Eine günstige Voraussetzung für diesen Siedlungsplatz war die Lage an einer alten Diemelfurt, an der sich Fernstraßen aus verschiedenen Richtungen kreuzten. Außerdem hat der Fischreichtum in der Diemel eine bedeutende Rolle gespielt. Die Fischerei war sowohl Erwerbsquelle als auch Nahrungsgrundlage. Der Ortsname hat sich von Helmerateshusa über Helmwardeshusen zu Helmarshausen entwickelt.

Verleihung des Stadtrechts
Aus dem ursprünglichen Wohnplatz Helmerateshusa entwickelte sich während und nach der Klosterzeit (997  - 1538) die Stadt Helmarshausen weiter. Zu dem Marktrecht aus alter Zeit wurde um 1230 auch das Stadtrecht verliehen. In einer Urkunde vom 20.9.1254 bestätigt Erzbischof Konrad von Köln das Stadtrecht und regelt hierin die Gerichtsbarkeit. Helmarshausen hatte bereits eine Stadtmauer. Das veranlasste die Bewohner umliegender Siedlungen, nach Helmarshausen zu ziehen, weil sie hier vor feindlichen Angriffen sicherer waren.

Der 30-jährige Krieg
Der 30jährige Krieg (1618 – 48) brachte Unheil über Helmarshausen. Die Tilly`schen Truppen überfielen die Stadt zu Beginn des Krieges. 3 Jahre dauerte die Einquartierung von rd. 200 Soldaten, die obendrein auch noch von den Bürgern verpflegt werden mussten. Hierdurch verarmten die Einwohner.

Auflösung der Klosterabtei
Mit der sinkenden Macht des Klosters gelang es den Bürgern, allmählich gewisse Freiheiten zu erlangen und Teile der Klosterländereien in Erbpacht zu bewirtschaften.  Nach der Auflösung der Abtei wurden nacheinander die Adelsfamilien von Weiters, von Spiegel, Fürstin von Hanau, gemeinsam mit deren Sohn, Graf von Schaumburg, mit dem Grundbesitz beliehen. Im Jahre 1874 kaufte Reichsgraf Gustav Adolf von Bentinck  die Herrschaft Helmarshausen. Er baute das Schloß, den jetzigen Altbau des Krankenhauses.

Wirtschaftliche Grundlagen
Der Ort war durch die Landwirtschaft, Fischerei und verschiedene Handwerksberufe geprägt. Eine besondere Stellung nahmen die Leinenweber ein. Das Leinen aus Helmarshausen war ein begehrtes Produkt und daraus entwickelte sich ein blühender Fernhandel. Auch Tabakwaren wurden, überwiegend in Heimarbeit, hergestellt. Die Firma Konrad Mantel produzierte noch bis 1957 Zigarren in Handarbeit für Privatkunden.

Nach dem 30-jährigen Krieg entstanden auch einige stattliche Fachwerkhäuser im diemelsächsischen  Stil, die noch heute erhalten sind. Mit ihren geschnitzten Balkenwerk und Inschriften geben sie dem Ort ein prägendes Bild.  

Das Weser-Kanal-Projekt

Eine Chance wirtschaftlicher Entwicklung bot sich im 18. Jahrhundert, als Landgraf Karl von Hessen seine Landeshauptstadt Kassel mit einem Kanal von der Weser her verbinden lassen wollte. Die Stadt Münden, die damals zu Braunschweig  gehörte, sollte damit umgangen und Zölle gespart werden. In Helmarshausen waren bereits eine Schleuse und ein Kanal gebaut. Das Vorhaben wurde dann aber aufgegeben.


Dieses Projekt stand auch im Zusammenhang mit der Ansiedlung der Hugenotten, die zunächst in Helmarshausen untergebracht waren und dann nach dem Bau  der  Stadt Karlshafen nach dort übersiedelten. Das Schleusen-Kanal-Bauwerk wird heute zur Erzeugung von Strom genutzt.

Die Carlsbahn
Als „Ersatz“ für das gescheiterte Kanalprojekt  wurde Helmarshausen etwa 140 Jahre später durch den Bau der Carlsbahn von Hümme nach Karlshafen an das Eisenbahnnetz angeschlossen. Der erste Zug fuhr am 3. April 1848. Die Bahn brachte, wenn auch nur einen bescheidenen Aufschwung für Helmarshausen und Mobilität für die Bürger. Damit verloren allerdings die Frachtfuhrleute, die bisher Waren zwischen Karlshafen und Kassel beförderten, ihre Arbeit. Leider wurde die Bahn durch Rationalisierungsmaßnahmen 1966 stillgelegt. Den öffentlichen Personenverkehr haben Busse übernommen.

Fremdenverkehr und Infrastruktur
Die Ruhrknappschaft Bochum baute 1923 am Rande des Reinhardswaldes ein Erholungsheim für Bergleute. Durch diese Einrichtung entwickelte sich der Fremdenverkehr in Helmarshausen. Das Haus wurde 1978 geschlossen. Dadurch gingen auch die Übernachtungen der Privatgäste zurück. Einige Jahre später übernahm das Deutsche Jugendherbergswerk das Gebäude und richtete dort das „Jugendgästehaus Diemeltal" ein.

Um 1872 kaufte Gustav Adolf Reichsgraf von Bentinck und seine Frau Clara, geb. von Wedel von dem hessischen Landgrafen einen Teil des ehemaligen Klosterbesitzes. Auf dem Grundstück „Am Fahlenberg“ erbauten sie das Schloss. Der repräsentative Bau ist aus weißem Wesersandstein errichtet, der aus dem benachbarten Steinbruch stammt. Das Haus hat eine künstlerische Bedeutung aufgrund der materialbetonten Bauausführung.
Die Nachfahren, von Linde-Suden, verkauften das Gebäude 1938 an die NS-Volkswohlfahrt, die darin ein „Erholungsheim für Mutter und Kind“ einrichtete. Diese Institution endete mit dem 2. Weltkrieg 1945.

Nach vorübergehender Unterkunft für die amerikanischen Soldaten wurde 1946 dort das Krankenhaus eingerichtet. Zunächst war der Landeswohlfahrtsverband Hessen Träger der Einrichtung. Es folgten die Arbeiterwohlfahrt Hessen Nord und danach der Landkreis Kassel.  Durch Erweiterung entwickelte sich die Klinik zu einem leistungsfähigen Haus der medizinischen Grundversorgung.
Der letzte Besitzer des Gebäudes, der Landkreis Kassel, hat vor einigen Jahren an die „Gesundheit Nordhessen Holding“ vermietet, die das Krankenhaus unter dem Namen „Kreisklinik Helmarshausen“ weiter betrieb. Leider wurde die Einrichtung im April 2014 zu Gunsten der größeren Einrichtungen des Konzerns in Hofgeismar und Kassel geschlossen.
Im Jahre 2016 hat die „ascleon Care“, einem überörtlichen Anbieter von Pflegeleistungen, eine Tagespflege dort eröffnet.
Der Alte Ortskern ist durch die Diemel und den Krukenberg begrenzt und bot keine Möglichkeit für weitere Ansiedlungen. Deshalb sind Baugebiete für Wohnhäuser am Mittelberg  und Fahlenberg, und für Industriebetriebe am Huckelsberg erschlossen  worden. Die Infrastruktur konnte auch durch den Bau des Bürgerhauses 1969 verbessert werden. Der Komplex umfasst einen Saal mit Gaststätte und Kegelbahn, ein Hallenbad und Garagen für die Feuerwehr. Das Hallenbad wurde 2004 zu Gunsten der Weserbergland-Therme  im Stadtteil Karlshafen geschlossen. Durch die Gemeindereform ist Helmarshausen 1972 mit der Stadt Bad Karlshafen zusammengeschlossen worden.

Alt Cöln
Auf der Hochfläche westlich von Helmarshausen lag die im 13. Jahrhundert gegründete Stadt Alt Cöln. Die Ansiedlung bekam ihren Namen von dem Gründer, Erzbischof Engelbert von Köln. Es handelt sich um ein strategisch interessantes Gelände, das nach Süden, Osten und Norden durch steile Hänge begrenzt ist. Das offene, höhengleiche Gelände nach Westen war durch einen Wall mit vorgelagertem Graben gesichert. Die Siedlung wurde im 14. bis Anfang des 15. Jahrhunderts   wieder verlassen. An der Nord-West-Ecke des fast quadratischen Geländes ist noch ein Stück des Walls erhalten. Die Silhouette der Stadt, auf der auch eine Kirche zu erkennen ist, wird auf dem Stich von Dilich dargestellt. Das Gelände wird jetzt überwiegend als Ackerfläche genutzt. Es hat den Flurnamen „Auf der Neustadt“.

 
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