Kloster - Helmarshausen

Direkt zum Seiteninhalt

Hauptmenü:

Helmarshausen


Geschichte des ehemaligen Benediktiner-Klosters Helmarshausen


Klostergründung
Der Königshof der Frau Helmburg befand sich Ende des 10. Jahrhunderts im Besitz des Grafen Eckhard von Reinhausen und seiner Gemahlin Mathilde. Der Tod ihres noch jungen Sohnes veranlasste das Ehepaar, mit ihrem Besitz eine Stiftung zu gründen. So entstand aus dieser Stiftung das Kloster Helmwardeshusen. Die Zustimmung zu der Klostergründung erteilte Papst Silvester II. und Kaiser Otto III. am 8. Oktober 997. Der erste Abt Haulf war von 997 bis 1013 im Amt. Der dem Kloster gleichzeitig verliehene Status einer freien Reichsabtei wurde vom Paderborner Bischof Meinwerk angefochten. Seine  Aktionen beim Heiligen Stuhl in Rom und beim Kaiser hatten schließlich Erfolg und die Abtei Helmarshausen wurde ihm unterstellt.

Die Kunstfertigkeit der Mönche
Die Leistungen des Konvents prägten das Bild der Abtei Helmarshausen in den Jahrhunderten ihres Bestehens durch kunstvolle Erzeugnisse, die bei den Betrachtern Bewunderung hervorrufen. Das Kloster richtete bald nach Beginn der geistlichen Arbeit ein Skriptorium sowie eine Gold- und Silberschmiede ein. Hier schrieben entsprechend ausgebildete Mönche prachtvolle Bücher und Urkunden schrieben und stellten kostbare Kreuze, reich geschmückte Buchdeckel und zahlreiche Kleinbronzen her. Weltliche und geistliche  Fürsten machten sich die Kunstfertigkeit der Mönche zunutze und erteilten entsprechende Aufträge. Als Beispiel für die vielen Kunstwerke seien hier das Evangeliar Heinrichs des Löwen  (Herzog-August-Bibliothek Wolfenbüttel)  und die  2 Tragaltäre (Diözesan - Museum Paderborn) genannt. Ein Faksimile des Evangeliars kann im Museum des Heimatvereins besichtigt werden.

Meister der Kunstwerkstätten
Als „Meister der Kunstwerkstätten“ sind uns namentlich bekannt Heriman, der seinen Namen in dem Widmungsgedicht des Evangeliars Heinrichs des Löwen genannt hat, und Rogerus, bekannt geworden unter dem Namen Theophilus Presbyter. Letzterer ist auch der Verfasser der Schrift „Schedula diversarum artium“. In diesem Buch hat er die Rohstoffe und Rezepturen für die Herstellung von Pergament,  Farben und Tinten, sowie die Verfahren für die Bearbeitung von Blattgold und -silber, Zinn, Kupfer und Messing beschrieben.

Das Kloster als Pilgerstätte
Wichtiges Ereignis für das Kloster war zur Zeit des Abtes Thietmar I. (1080 – 1111) der Erwerb der Gebeine des Heiligen Modoald, die in einem feierlichen Geleitzug von Trier nach Helmarshausen überführt wurden. Modoald war Erzbischof in Trier von 622 – 647.


Die diesen Reliquien zugeschriebenen wundersamen Heilwirkungen brachten Reichtum für die Abtei. Von den Pilgern, die von weither nach Helmarshausen kamen, wurden dem Kloster außer Geld und Naturalien auch Grundstücke und ganze Höfe vermacht.

Markt-, Münz- und Zollrecht
Mit der Urkunde über die Klostergründung von 997 wurde auch das Markt-, Münz-, und Zollrecht verliehen. In seiner Regierungszeit (983 – 1002) hat Otto III. 31 Münzdiplome erteilt, darunter auch für Helmarshausen. Daran kann man die Bedeutung dieses Privilegs erkennen. Helmarshäuser Münzen befinden sich in Museen in Berlin, Frankfurt und München. Zuletzt wurden im Jahr 2004 zwei Münzen bei der Grabung in Nienover (Solling) gefunden.

Auflösung des Klosters
1538 wurde das Kloster in Zuge der Reformation aufgelöst. Die Gebäude und Grundstücke übernahm der hessische Landgraf Philipp der Großmütige, der in den Gebäuden ein Zehntamt einrichtete. Mit einem großen Teil der Ländereien wurden adlige Familien belehnt. Im Jahr 1848 kaufte die Stadt Helmarshausen die Klostergebäude und richtete darin die Volksschule und Lehrerwohnungen ein. Nach dem Bau einer neuen Schule im Jahre 1965 übernahm die Ev. Kirchengemeinde  Helmarshausen das Areal und gestaltete es zum Kindergarten und Jugendheim um.

Die Kirche verfiel nach Auflösung des Klosters. Aus den Steinen ist u.a. die Zehnscheune gebaut worden. In den Jahren 1965/68 wurden die Grundmauern teilweise ausgegraben. Hiernach war eine Rekonstruktion des Grundrisses möglich. Dieser ist jetzt durch Steinplatten dargestellt und kann besichtigt werden. Die Kirche hatte nach mehreren Bauphasen eine Länge von über 60 m.

Die Baugeschichte des Klosters und die Bedeutung der Kunstwerkstätten sind in dem Buch „Helmarshausen – Buchkultur und Goldschmiedekunst im Hochmittelalter“  (Herausgegeben von Ingrid Baumgärtner, euregioverlag)  ausführlich beschrieben.


 
 
Zurück zum Seiteninhalt | Zurück zum Hauptmenü